Flugreise nach Skandinavien mit dem Virus

von Markus und Toni Balmer, August 2013

Donnerstag, 18.7.2013

Wir, das heisst Toni und ich, treffen uns abends zu intensiven Flugvorbereitungen. Unser primäres Ziel ist die Landung in Hammerfest, vor allem darum, dass der dortige Controller endlich einmal einen Virus sehen darf.


Flugroute

Freitag, 19.7.2013

Genialer Wetterbericht, strahlender Sonnenschein, ausser in Grenchen. Um ca. 9.30h können wir unser Abenteuer bei SVFR-Bedingungen starten. Uns zieht es sofort durch ein Nebelloch an die Sonne. In Donaueschingen erfolgt die Zollabfertigung. Dann geht es weiter nach Rothenburg ob der Tauber. Tipp für Sportliche: Hier stehen 11 Fahrräder für Gratisverleih zur Verfügung.

Der Tower-Empfehlung gehorchend fliegen wir sofort zur Hauptstadt weiter. Der Flugplatz dort liegt auf einem Hochplateau, so dass man sich wie bei einem Anflug auf einen Flugzeugträger fühlt. Kaum aufgesetzt, noch beim Rollen, werden wir mit einem freundlichen "Grüezi, härzlich willkommen" empfangen. Ja, wir sind hier richtig: Kulmbach, die heimliche Bierhauptstadt: 3 Brauereien in und ca. 50 Brauereien rund um die Stadt. Übrigens: für die berühmten Biertage sind wir 1 Woche zu früh.

Nun folgt Stadtbesichtigung, Rindsfilet im Astoria, ..., Übernachtung im Hotel "an der Eiche".

Die heimliche Bierhauptstadt - sie ist schon fast unheimlich.


Start in Grenchen

Samstag, 20.7.2013

Die in den Wetterprognosen gemeldete, von Norden heranziehende Front hat sich verspätet. So können wir noch bei wunderbarem Wetter in Kulmbach starten. Wir steigen auf 6500ft und überfliegen während einer Stunde die ganze Front. Kurz vor unserer Destination erreichen wir das Ende der geschlossenen Wolkenschicht, so dass wir planmässig in Magdeburg landen können.

Unser nächstes Leg führt über den Müritzsee hinweg nach Stralsund mit seiner etwas holprigen Graspiste. Abschliessend erreichen wir in einem 10-Minuten-Flug die Insel Rügen und reihen uns sogleich in der Rügener Fliegershow als Sensation ein.

Anschliessend: Inselrundfahrt mit Mietwagen, Meerbad, Übernachtung im Baumhaus im Rügener Nationalpark.


Insel Rügen

Sonntag, 21.7.2013

Nun stehen Flugplanungen für Schweden an, denn schliesslich gilt es, ein Land fliegerisch neu kennenzulernen. Kurz vor Mittag, um 11.59h, heben wir ab. Der Tower verabschiedet sich von uns mit den Worten: "Na Jungs, treibts nicht zu bunt da oben!"

Nun gehts über die Ostsee, an der Insel Bornholm vorbei, nordwärts nach Hultsfred. Dort lernen wir, dass in Schweden zahlreiche, zum Teil sehr grosse und ausgezeichnet ausgerüstete Plätze, am Verwaisen sind. So ist auch der Flugplatz Hultsfred eigentlich geschlossen, doch dank der telefonischen Voranmeldung dürfen wir landen und es erscheint jemand nur für uns, um uns mit Treibstoff zu versorgen.

Der Weiterflug führt uns dann nach Mora. Auch dieser Platz ist geschlossen. Auch hier werden wir am nachfolgenden Tag morgens um 9h mit Benzin bedient.

Die zunehmende Tageslänge ist bereits gut spürbar.


Anflug in Mora


Fliegen ist Schwerarbeit

Montag, 22.7.2013

Von Mora aus fliegen wir nach Sundsvall wieder ans Meer, weiter nach Lycksele und abschliessend nach Kiruna, die nördlichste Stadt Schwedens, bekannt für seine Eisenerzbergwerke.

Damit haben wir den nördlichen Polarkreis überflogen. Lange Tage, aber dafür deutlich kühlere Temperaturen.

Wir werden fast durchwegs mit unbeschreiblichem Wetterglück belohnt, aber dafür bremsen uns fast die ganze Strecke nordwärts starke Gegenwinde von zum Teil bis 40 Knoten.


Kiruna

Dienstag, 23.7.2013

Für den Grenzübertritt nach Norwegen checkten wir das Wetter intensiver als sonst. Immerhin folgt nun ein Flug an die nördliche Küste mit der Überquerung von Gebirgen und weitherum unbewohnter Gebiete. Der Küste entlang kann das Wetter immer unverhofft rasch wechseln, und wir beabsichtigten schliesslich in keiner Weise einen unverhofften IFR-Flug.

Kurz nach 12 Uhr hoben wir Richtung Alta ab. Der Flug war spannend: wir überflogen Wolkenstreifen, menschenleere Gebiete, Fjorde und Fjelle, mondartige Landschaften, ... Zwischendurch plagten uns auch unheimliche Gedanken wie: Wo mache ich die Emergency-Landing, wo und wie könnte ich Hilfe anvisieren, ...?

Nach Alta folgt bei ausgezeichneten Wetterbedingungen und nur noch wenig Wind mit dem Flug nach Hammerfest der absolute Höhepunkt. Zwar jagte uns im Flug der zuständige Controller kurz einen Schrecken ein, indem er keinen Flugplan vorfand und uns befahl, nach der Landung sofort mit der AIS Kontakt aufzunehmen.

Der Anflug in Hammerfest war ein erhebendes Gefühl, schliesslich träumen viele Piloten davon. Im Tower wurden wir herzlich empfangen, und auch beruhigt: Unser Flugplan ist in einer Fax-Ablage liegengeblieben.

Bald ging es weiter nach Tromsö, der nördlichsten Universitätsstadt. Auf dem Flugplatz führte uns der Follow-me-Car zum Parkplatz: witzigerweise exakt neben den HB-PKX der Flugschule Grenchen; dem ersten Kleinflugzeug, das wir in Skandinavien bisher angetroffen haben!

Nun folgt die Stadtbesichtigung, Nachtessen (Rentierfilet), Überqueren der berühmten Tromsöbrücke, Besuch vom "Top of Europe" mit der Cable Car, und dem Geniessen der Mitternachtssonne.


Überflug über das norwegische Gebirge


Hammerfest in Sicht


Im Tower von Hammerfest, im Hintergrund die Piste


Inselwelt vor der norwegischen Küste


Anflug in Tromsö

Mittwoch, 24.7.2013

Von Tromsö aus fliegen wir der Küste entlang, überqueren Fjorde und Fjelle, und peilen die Lofoten an. Man überfliegt Gletscher, um Augenblicke später karibisch-weissen Sandstränden zu folgen.

Der Flugplatz Svolvär ist ein Erlebnis für sich: Die Piste mit traumhafter Lage direkt am Meer, Briefingraum auf dem Apron an der Sonne, ..; Was wünscht man sich mehr?

Nach einem Rundflug um die Lofoten fliegen wir weiter nach Bodö und dann nach Bronnoysund. Nach einigen freundlichen Worten führt uns der Flugplatz-Tankwart in die Stadt zum Hotel Geleasten, direkt am Quai der Hurtigruten gelegen.


"Karibische" Strände


Anflug auf Lofoten


Flugplatz Svolvär


Briefingraum in Svolvär


Lofoten


Flugplatz Svolvär aus der Luft


Anflug in Bodö

Donnerstag, 25.7.2013

Die Reise führt heute von Bronnoysund nach Molde, und dann über riesige Gletscher hinweg nach Sogndal-Haukasen. Der Anflug auf Sogndal überrascht uns sehr: Lagen doch die vorderen Flugplätze allesamt auf Meereshöhe, und befindet sich Sogndal gemäss Karte doch direkt am Meer, so haben wir uns mächtig getäuscht: Der Flugplatz liegt eindrückliche 1633ft über Meer, auf einem Plateau über dem Fjord.

Der letzte Abschnitt vom heutigen Tag führt dem Sognefjord (mit einer Länge von 204km und einer maximalen Tiefe von 1308m das längste und gleichzeitig auch tiefste Fjord Europas) entlang an die Westküste zurück, an der Stadt Bergen vorbei, nach Haugesund. Hinter einem Airliner setzen wir zur Landung an.


Küstenlandschaften


und Gebirgslandschaften

Freitag, 26.7.2013

Der morgendliche Küstennebel löst sich nach einigem Warten langsam auf. Also auf zum Flugplatz - aber: Unser Taxifahrer streift einen Randstein und fährt einen Platten ein. Er stoppt den Taximeter und fährt uns im Schritttempo zum Flugplatz. Wir erledigen unsere Flugvorbereitungen und Telefonate, während der Küstennebel stabil 1-200 Meter neben der Piste liegt.

Wir steigen ein, starten den Motor, ... und, wie von unserem Flugzeugpropeller angetrieben, startet von der Küste her der Wind. Innert Sekunden ist der Flugplatz eingenebelt, so dass wir den Flugplan dreimal um je 1Stunde verschieben mussten. Selbst Airliners mussten allesamt ihre Abflüge abbrechen, in Holdings warten, oder sogar zum Alternate ausweichen.

Ca. 3 Stunden später lichtet sich der Nebel, so dass wir nach Notodden weiterfliegen können.

Das zweite Leg führt uns nach Hokksund, wo wir von Stein-Eric Naess abgeholt werden und in ihrem schönen Heim im Südosten von Oslo als Gäste für Barbecue und Übernachtung eingeladen sind.


Überquerung des Gebirges nach Notodden

Samstag, 27.7.2013

Nun heisst es Ausschlafen, ... bis um 9h etwas durch den Garten schleicht: Ist es ein Rentier, oder doch Stein-Erik, der für das Frühstück Eier organisieren will?

Das Wetter ist durchzogen, tiefe Wolkenbasis, vermischt mit leichten Schauern, ..., nicht so, wie wir es wünschen.

Nach 16h erreichen wir wieder den Flugplatz Hokksund. Nach Telefonaten folgt die Überraschung: An der nächsten Destination, dem Flugplatz Moss, verlangt man einen Handling-Agent, mit einer Kostenfolge von ca. 2000 norwegischen Kronen.

Also planen wir neu, und fliegen zuerst nach Sandefjord und dann nach Göteborg-Säve. Vor dem Flugplatz stehen noch 2 Taxis, aber ohne Fahrer. Warum? Beide Taxifahrer sind Piloten, und haben sich einen Rundflug gegönnt.

Die nächste Hürde: An diesem Abend findet in Göteborg der Fussballmatch Real Madrid - Paris St. Germain statt, so dass es keine freien Hotelzimmer mehr geben soll. Zu unserem Glück können wir zufälligerweise ein abgebuchtes Zimmer erben.

Göteborg bietet viel Lärm, viele Leute, ..., und die Avenyn, die Party-, Tanz- und Flaniermeile, ..., ungewohnt für uns nach dieser ruhigen Zeit im Norden!

Sonntag, 28.7.2013

Das Wetter startet schlecht, aber die Prognosen lassen verschiedene Wetterfenster erwarten, so dass wir für die Weiterreise nun kürzere Legs einplanen, zuerst nach Ängelholm, dann zum Flugplatz Sydfyn-Tasinge nahe bei Svendborg (Dänemark). Die Flugzeit verlängert sich bei erneuten Gegenwinden von ca. 30 Knoten wieder einmal massiv.


Autobrücke in Dänemark

Montag, 29.7.2013

Wetterglück: Zu Hause regnet es, und wir haben tolles Flugwetter. So entscheiden wir uns noch für eine Dänemark-Rundtour, nach Odense, nach Stauning mit Besuch des dänischen Fliegermuseums, nach Esbjerg, und zuletzt nach Flensburg und damit zurück nach Deutschland.


Blick auf Sylt

Dienstag, 30.7.2013

Die Weiterreise führt über Heide-Büsum, Rotenburg-Wümme, Magdeburg nach Hof-Plauen.

Mittwoch, 31.7.2013

Das Wetter ist stark bewölkt, die Winde weiterhin stark. Nun geht es nach Eggenfelden und dann über die österreichische Grenze nach Wels. Gemäss einem Tipp überfliegen wir in der Nähe der CTR Salzburg die Stadt Burghausen, bekannt für die weltlängste Burg mit einer Länge von 1051 Metern.

Weiter fliegen wir nach Seitenstetten und im letzten Leg zum Wallfahrtsort Mariazell. Beten und das Ablegen aller unserer Sünden war angesagt, aber nebenbei ganz kurz auch noch ein Besuch im Wirts- und Brauhaus Girrer, wo immer frisch gebrauter Gerstensaft aufgestellt werden kann.

Donnerstag, 1.8.2013

Genialstes Flugwetter: Wir fliegen nach Niederöblarn, dann nach Nötsch, über den Grossglockner nach Zell am See, und zuletzt nach St. Johann. Heute findet in würdigem Rahmen die 1. August-Feier statt.


Österreichische Alpen

Freitag, 2.8.2013

Heute fliegen wir via Kempten nach Grenchen zurück. Schade, es ist vorbei!


Bodensee: Fast geschafft!


Wieder zu Hause!

 

Zusammenfassung

  • Wir flogen insgesamt 44 Legs, immer in Abwechslung.

  • Gesamtflugzeit für die 15 Tage betrug 42h 24min

  • Wir beflogen nebst der Schweiz:
    Deutschland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Österreich

 

Tipps / Spezielles

  • Es ist immer geschätzt worden, im Voraus beim Zielflugplatz anzurufen und sich über Spezielles oder Einschränkungen zu erkundigen sowie die Absicht mitzuteilen.

  • Wir sind immer sehr freundlich empfangen worden, man hat sich über unseren Besuch gefreut, und wir sind mit wertvollen Informationen bedient worden: Wir erhielten Tipps und sogar fertige Flugvorbereitungen, es wurde für uns telefoniert, ... Ohne diese Inputs wären viele Erlebnisse erschwert worden. Der Controller von Haugesund bedauerte sogar, dass fast keine Kleinflugzeuge mehr vorbeikommen!

  • Gerade in Skandinavien muss man immer die Flight-Information aufrufen (ist ein Sicherheitsaspekt).

  • Norwegen gehört wie die Schweiz nicht zur EU: Zwischen Schweden und Norwegen gibt es aber ein Abkommen, dass der Zoll nur anzumelden ist, wenn man Ware zu verzollen hat. Sonst muss der Zoll nicht angemeldet werden.

  • In Skandinavien sind für alle Flüge Flugpläne aufzugeben. Am sichersten funktioniert die Flugplanaufgabe telefonisch. Aber nicht vergessen: Flugpläne zu aktivieren und auch wieder zu schliessen (z.B. bei Flight Information).

  • Innerhalb von Dänemark und von Österreich muss auch ein Flugplan aufgegeben werden, wenn man in den Luftraum C oder D einfliegen will.

  • In Norwegen lohnt sich eine Weekly-Season-Card: Kostet ca. 120 Franken und damit sind auf den meisten Flugplätzen alle Landungen für 7 Tage gedeckt. Es vereinfacht das Verfahren und ist sehr günstig.

  • Das iPad mit dem Skydemon war eine wertvolle Hilfe für alle Flugvorbereitungen.

  • Aufpassen: Bei starken Gegenwinden verringert sich der Ground-Speed massiv, was die benötigten Flugzeiten verlängert. Deshalb muss man die Fuel-Calculation viel vorsichtiger berechnen, zumal die Flugplatzdichte auch nicht mit der Schweiz oder mit Deutschland vergleichbar ist.

 

Adressen für Flugvorbereitungen

Deutschland: www.eddh.de

Schweden: www.lfv.se

Norwegen: www.ippc.no

Dänemark: http://www.flv.dk

Österreich: http://eaip.austrocontrol.at/
(notwendige Logins von zu Hause aus erledigen!)

 

Herzliches Dankeschön an ...

  • alle unsere Fliegerkollegen der Flugruppe-Virus, dass sie so lange auf unseren Virus verzichten konnten

  • Mathias Bögli für das Kartenmaterial.

  • Stein-Erik und Makda-Lena Naess für die Gastfreundschaft.

  • Toni Balmer: es ist entspannend, zu zweit zu fliegen.
    Was der eine nicht sieht oder versteht, erledigt der andere.

  • Petrus für das unglaubliche Wetter.

  • unserem Virus:
    für deine hervorragende Performance sowie deine topmoderne und zuverlässige Ausrüstung!

Markus Balmer

 


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