Einmal Himmel und zurück

IPA von Milena Stoffel und Kristina Velickovic, März 2014

Um unser Thema der IPA "Einmal Himmel und zurück" abzurunden, sind wir selbst ein Motorflugzeug im Mittelland geflogen. Nach langer Recherche sind wir auf eine interessante Fluggruppe gestossen: Die Virus Fluggruppe Grenchen VFG, die in Grenchen ein Flugzeug vom Typ Virus SW 100 betreibt.

Als der Entscheid auf die Virus Fluggruppe Grenchen gefallen war, nahmen wir mit dem Präsidenten und Fluglehrer Hans Marthaler telefonisch Kontakt auf, um die weiteren Schritte zu besprechen.

Bei einem Telefongespräch erläuterten wir Hans Marthaler unser Vorhaben und unsere momentane finanzielle Situation. Herr Marthaler hat interessiert zugehört. Nach wenigen Minuten des Gesprächs vereinbarten wir einen Termin für den Schnupperflug. Mit den anfallenden Kosten ist er uns sehr grosszügig entgegengekommen. Für den erhaltenen Rabatt wollte er jedoch einen Bericht für die Homepage der Virus Fluggruppe Grenchen. Für uns ist diese Vereinbarung ein Gewinn für beide beteiligten Parteien.

Nun rückte der arrangierte Termin vom 2. Februar 2014 immer näher. Wir waren nervös, da die ganze Woche schlechtes Wetter gemeldet wurde. Diese Prognose verursachte bei uns Bauchschmerzen. Denn bei Schnee und Wind konnten wir unmöglich mit dem Motorflugzeug starten.

Einen Tag vor dem Flug erkundigten wir uns telefonisch bei Hans Marthaler, ob es denkbar wäre, bei dieser Wetterprognose überhaupt abzuheben. Dieser bestätigte uns noch einmal unser Rendezvous. Er könne bezüglich Wetter jedoch für nichts garantieren. Wir hofften insgeheim, dass die Witterungslage im Mittelland besser wäre, als im Alpenraum. Am Sonntagmorgen sah der Himmel im Wallis katastrophal aus. Es schneite und zudem wehte ein Wind, der im Verlauf des Morgens immer stärker wurde.

Als wir dies nach dem Erwachen bemerkten, hielten wir eine Krisensitzung am Telefon ab. Nach einer langen und heftigen Diskussion kamen wir zum Entschluss, die Reise nach Solothurn doch anzutreten und den Schnupperflug durchzuführen.


Bei solchem Wetter geht fast niemand freiwillig fliegen

Am Flugplatz angekommen, gönnten wir uns zuerst ein heisses Getränk. Wir wollten uns wieder aufwärmen, da es draussen ziemlich frisch war, bevor es weiter ging. Hans Marthaler kam auf uns zu und begrüsste uns mit einem Lächeln und einer vorgestreckten Hand. Er nahm Platz und wir besprachen den Verlauf des restlichen Tages.

Daraufhin machten wir uns auf den Weg zum Hangar, wo sich eine kleine Küche mit einem Tisch und Bänken befand. Dort wollten wir mittels eines Interviews mehr über das Leben von Hans Marthaler und seine Flugerlebnisse erfahren. Wir hörten aufmerksam und gespannt zu. "Wiä es chleis Chind bim Güetnachtgschichtli". Denn jeder Pilot hat seine eigenen interessanten und zum Teil eindrücklichen Erfahrungen beim Fliegen gemacht. Bei Leichtsinn und Unachtsamkeit kann es schnell gefährlich werden. Man muss sich ständig bewusst sein, dass das Fliegen auch zwei Seiten haben kann. Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf machten wir uns bereit für unseren Schnupperflug.

Wir gingen zum Hangar, wo sich der Virus SW 100 der Virus Fluggruppe Grenchen befindet. Virus SW 100 heisst das Flugzeugmuster, mit dem wir später abgehoben sind.


Virus SW 100 mit der Registrierung HB-WZH vor dem Tower Grenchen abflugbereit

Die erste Lektion vor dem Abflug bestand darin, uns mit dem Motorflugzeug vertraut zu machen. Kurzum fingen wir mit dem Aussencheck des Flugzeuges, des Triebwerks und den benötigten Instrumenten an. Mit grossen Augen betrachteten wir den Flieger. Wie ein Schwamm saugten wir die ganzen Informationen auf. Dies war auch nicht schwer, denn durch die Erfahrung als Berufsschullehrer verstand sich Herr Marthaler ausgezeichnet darin, die Fachsprache auch für den Laien begreiflich zu formulieren.

Nun waren Mensch und Maschine für den Flug in den Himmel bereit. Kristina durfte als Erste den Schnupperflug über dem Bielersee absolvieren. Da das Motorflugzeug nur zwei Sitzplätze besass, musste Milena am Rand der Piste warten. Während dieser Zeit knipste sie einige Bilder meines Abflugs und der Landung.


Kristina nimmt auf dem Pilotensitz (links) platz

Beim Warten auf die Starterlaubnis des Towers spürte ich (Kristina), wie mein Herz raste und meine Hände schwitzig wurden. Ich warf einen fragenden Blick zum Fluglehrer, um mich zu vergewissern, dass alles nach Plan läuft. Er blickte zurück und erkundigte sich lächelnd nach meinem Befinden. Ich streckte meinen rechten Daumen in die Luft, grinste und antwortete mit: "Tip top."


Kristina mit Fluglehrer beim "Check before departure"

Kurz darauf erhielten wir das Startfreigabe und ich bemerkte, wie sich das Flugzeug in Bewegung setzte. Schritt für Schritt erhöhte der Fluglehrer die Geschwindigkeit und der Virus wurde immer schneller und schneller. Ohne dass ich es richtig realisieren konnte, befanden wir uns schon in der Luft. Ich schaute kritisch in den Himmel. Dieser war mit hellgrauen löchrigen Wolken überzogen. Mit dem Kurs auf eines dieser Löcher sind wir dem Himmel entgegen geflogen. Nach dem Übersteigen der Bewölkung spürte ich auf einmal die wärmenden Strahlen der Sonne auf meiner Haut. Überrascht und sprachlos genoss ich dieses Panorama. Unter und über mir schwebten Wolken in den vielfältigsten Grautönen. Doch dazwischen fühlte ich mich wie im Paradies. Wir richteten die Nase des Fliegers Richtung Sonne, um so lange wie möglich ihre Wärme zu geniessen. Trotz der Schönheit der Natur durften wir nicht vergessen, dass wir ständig auf andere vorbei fliegende Motorflugzeuge Acht geben mussten.

Während des Fluges übernahm ich den Steuerknüppel. Jetzt konzentrierte ich mich vollkommen auf das Fliegen und auf die Instruktion des Fluglehrers. Nach einigen atemberaubenden Flugmomenten bereiteten wir uns auf die Landung vor. Diese ging uns leicht von der Hand, obwohl wir mit Turbulenzen gerechnet haben. Nach einem sauber auf die Pistenachse ausgerichteten Endanflug setzten wir sanft auf Piste 25 wieder auf.


Milena übernimmt die Kontrolle als Pilotin

Anschliessend war Milena mit dem Schnupperflug an der Reihe. Freude und Nervosität zierten ihr Gesicht. Doch sie liess sich nichts anmerken. Voller Elan schwang sie sich ins Cockpit. Neben ihr nahm Hans Marthaler Platz. Der Fluglehrer erklärte ihr kurz das weitere Vorgehen. Zur gleichen Zeit gurteten sie sich an. Anschliessend zogen sie sich das Headset über die Ohren, um sich während des Fluges besser zu verstehen. Beide schlossen die Türen und kurz darauf rollte das Motorflugzeug Richtung Haltepunkt vor der Piste 25. Dort kontrollierten sie sämtliche Instrumente und das Triebwerk, und stellten den Virus in die Startkonfiguration.


Milena mit Fluglehrer bei der "Cockpit preparation"

Als alles korrekt vorbereitet war, forderte der Fluglehrer die Startfreigabe bei Grenchen Tower an. Schliesslich nahmen sie Anlauf und hoben ab. Bis zur Unterschicht der Wolken konnte ich den Schnupperflug mit verfolgen. Danach waren sie verschwunden. Erst als sie die Landebahn ansteuerten, konnte ich sie wieder sehen. Genau wie Milena stand ich neben der Landebahn und versuchte einige gute Fotos von ihrem Flug aufzunehmen.


Virus beim Zurückrollen nach dem wunderschönen Schnupperflug

Zum Schluss mussten wir das Flugzeug soweit wie möglich für den nächsten Flug vorbereiten und es wieder in den Hangar an seinen Platz zurückschieben.

Für uns war das ein phänomenaler und gelungener Tag. Der Schnupperflug in der Region Solthurn - Bielersee war ein unvergessliches Erlebnis für uns. Wer weiss, vielleicht sehen wir Herr Marthaler eines Tages wieder. Dieses Mal in der Position als Flugschüler und Fluglehrer mit dem Ziel, ein Flugbrevet zu erhalten.

 

Fazit

Pilot zu sein ist für viele Menschen ein Traum. Fliegen verbindet Leidenschaft, Verantwortung und ein grosses theoretisches und praktisches Wissen. Viele Menschen haben falsche Vorstellungen von den Voraussetzungen, die künftige Pilotinnen und Piloten zu erfüllen haben. Piloten sind keine Halbgötter, aber Menschen mit einem starken Willen, das gesteckte Ziel zu erreichen. Während der Ausbildung stossen sie manchmal an ihre psychische und physische Grenze, und dann braucht man die nötige Motivation und einen starken Willen.

Durch unsere Flugerlebnisse können wir endgültig sagen, dass die Schweiz eine faszinierende und atemberaubende Landschaft besitzt. Egal von welcher Perspektive aus betrachtet.

Wir empfehlen allen ein solches Abenteuer: sogar denen, die Flugangst haben! Bei einem Schnupper- oder Rundflug bei der Virus Fluggruppe Grenchen ist man an der Seite eines erfahrenen Piloten jederzeit sicher aufgehoben. Also nichts wie los. Einmal Himmel und zurück, das ist für Jedermann etwas!

 

 
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